Die Zukunft der Arbeit für Menschen mit Behinderung gestalten - socialbern.ch

Die Zukunft der Arbeit für Menschen mit Behinderung gestalten

Am 5. Mai 2026 fand im Zentrum für Innovation und Digitalisierung im BernaPark die diesjährige Werkstättentagung statt. Die Tagung beleuchtete aktuelle Entwicklungen in der Automatisierung und der künstlichen Intelligenz. Mit drei Referenten erhielten die Teilnehmenden verschiedene Perspektiven auf die Frage, wie die Zukunft der Arbeit für Menschen mit Behinderung aussehen kann.
 

Robotik: Humanoide Systeme als Zukunftsperspektive

Prof. Dr. Raphael Rätz von der Berner Fachhochschule (BFH) lancierte die Tagung mit einem Einblick in die Trends in der Robotik. Die Robotik hat seit der Erfindung des ersten Roboterarms 1956 enorme Fortschritte gemacht. Heute liegt der Fokus auf humanoiden Robotern, die menschliche Arbeitsabläufe übernehmen sollen – insbesondere in Umgebungen, die für den menschlichen Körper optimiert sind. Ein vielversprechender Ansatz ist die vereinfachte Programmierung, die auch ohne tiefgehende IT-Kenntnisse nutzbar sein soll. Dies könnte Werkstätten neue Möglichkeiten eröffnen, repetitive oder körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten zu automatisieren und Mitarbeitende gezielt zu entlasten.
 

VEBO Genossenschaft: Herausforderungen und Visionen

Marc Eggimann, CEO der VEBO Genossenschaft gab unseren Mitgliedern einen Einblick in ihre Arbeitspraxis und wie sie bereits neue Produktionstechnologien einsetzen. Zudem ging er auf einen Trend ein, der bereits Auswirkungen auf ihren Betrieb hat. Er stellt einen Wandel in der Selbstwahrnehmung der Mitarbeitenden fest, die nicht länger über ihre Einschränkungen, sondern über ihre Stärken definiert werden möchten. Die VEBO reagiert darauf mit einer Neuausrichtung, die Stigmatisierung vermeidet und stattdessen einen inklusiven Arbeitsmarkt für alle anstrebt.
 

KI als individueller Lernbegleiter

Christian Hirsig, Experte für digitale Bildung und CEO der High Five AG, zeigte auf, wie KI-gestützte Systeme Lerninhalte an individuelle Bedürfnisse anpassen können. Dies ermöglicht beispielsweise die Überwindung von Sprachbarrieren oder die Bereitstellung massgeschneiderter Übungen. KI kann als „private Lehrperson“ fungieren, die Lernende ohne Hemmungen unterstützt – etwa bei Fragen, die in klassischen Settings aus Scham nicht gestellt werden. Allerdings betonte Hirsig, dass KI die Ausbildner:innen nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen soll. Die Gestaltung der Lerninhalte bleibt Aufgabe von Fachkräften, während KI in den Übungsphasen individuell fördert.
 

Podiumsdiskussion: Chancen und Grenzen

In der abschliessenden Diskussion wurden die Grenzen technologischer Fortschritte, das Spannungsfeld zwischen Empowerment und Standardisierung sowie die konkreten Auswirkungen auf die Arbeit für Menschen mit Behinderungen erörtert. Eine Blitzumfrage unter den Teilnehmenden zeigte, dass die Mehrheit KI und Robotik eher als Chance, und weniger als Gefahr wahrnimmt. Die Tagung machte deutlich, dass Technologie allein keine Inklusion garantiert – sie muss durch gezielte Begleitung und strukturelle Anpassungen ergänzt werden.

Die Werkstättentagung 2026 unterstrich, dass die Zukunft der Werkstätten in der klugen Verbindung von Innovation und Inklusion liegt. Technologische Fortschritte bieten neue Möglichkeiten, erfordern aber auch eine bedarfsgerechte Umsetzung, die die Stärken der Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellt.