Das Gefühl der Zugehörigkeit wünschen wir uns alle - socialbern.ch

Das Gefühl der Zugehörigkeit wünschen wir uns alle

Die Stiftung BWO, mit den Bereichen heilpädagogische Schule, Werkstatt/Ausbildung, Wohnen/Atelier und den zentralen Diensten, hat im Jahr 2024 im Rahmen ihrer Mitarbeitenden-Umfrage mit dem «Inclusion-Check» gearbeitet. Im Interview berichtet Gabriela Jörg, Fachverantwortliche Personal, von ihren Erfahrungen.

Frau Jörg, was ist der «Inclusion Check»?

Der Inclusion-Check ist ein Fragebogen, mit dem wir messen, wie sich Mitarbeitende in Bezug auf Inklusion, Diversität und Arbeitsbelastung fühlen. Er macht sichtbar, wo wir schon stark sind und wo wir uns verbessern können.

Ein funktionierendes Team ist wie eine Mannschaft auf einem Schiff: es braucht Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen. Deshalb liegt uns das Wohlbefinden unserer BWO-Crew besonders am Herzen.
 

Wie sind Sie auf dieses Arbeitsinstrument aufmerksam geworden?

An einer INSOS-Veranstaltung hat Ueli Streit, Mitinitiant der Idee und Gründung des Checks, den Inclusion-Check präsentiert. Der Inclusion-Check ist ein wertvolles Instrument, um herauszufinden, wie gut sich Mitarbeitende in ihrem Arbeitsumfeld inkludiert fühlen.
 

Was hat Sie dann bewegt, dieses Instrument auch in der Stiftung BWO zu nutzen?

Inklusion ist für die Stiftung BWO ein zentrales Thema und tief verankert in unseren Werten und unserer Kultur. Uns hat rasch überzeugt, dass wir mit diesem Tool die für unsere Organisation wichtigen Themen abfragen können. Wir dachten, dass der Check zur Vielfalt der Stiftung BWO passt und uns aufzeigen kann, ob wir mit unserem Schiff auf dem richtigen Weg sind. Das hat sich unterdessen bestätigt.

Zudem hat sich gezeigt, dass ein gemeinsames Verständnis der vier Dimensionen des St. Galler Inclusions-Index – Authentizität, Zugehörigkeit, Perspektivenvielfalt und Chancengleichheit – essenziell ist, um eine nachhaltige und inklusive Arbeitswelt zu fördern.
 

Wie haben Ihre Kolleg:innen auf dieses neue Arbeitsinstrument reagiert?

Viele waren anfangs zurückhaltend, haben den anonymen Charakter aber sehr geschätzt. Es war für einige der Mitarbeitenden überraschend, dass wir nun plötzlich von ihrer persönlichen Inklusion sprechen. Im Nachhinein erscheint es uns wichtig, diese Bedeutung nicht nur schriftlich, sondern auch mündlich zu erklären: Inklusion ist nicht nur für die Menschen mit Beeinträchtigung wichtig, sondern das Gefühl der Zugehörigkeit wünschen wir uns alle.
 

Inklusion betrifft in erster Linie auch die Menschen mit Behinderungen. Welche Rückmeldungen haben Sie von Ihren Klient:innen erhalten?

Momentan gibt es den Check noch nicht in einfacher Sprache. Wir wünschen uns das für die Zukunft, damit auch die Menschen mit einer Beeinträchtigung stärker einbezogen werden können. Für diese Umfrage haben wir unseren bisherigen Fragebogen angepasst (UK – unterstützte Kommunikation) und angewandt.
 

Sie arbeiten nun schon seit einigen Monaten mit dem «Inclusion Check». Welche Reaktion lösen die Rückmeldungen bei Ihnen aus?

Sehr gefreut hat mich persönlich, dass bei den Ergebnissen viele der Ampeln «grün» waren. Gerade die Sinnhaftigkeit, die Rollenklarheit, die Vielfalt der Arbeit oder sich als Teil der BWO fühlen dürfen (die Zugehörigkeit und die Authentizität), wurden als sehr bereichernd beschrieben. Spannend fand ich, dass die roten Ampeln sehr unterschiedliche Ursachen hatten (mal Zeitdruck, mal ständige Erreichbarkeit). Das zeigt, wie vielfältig die Realität in unseren Bereichen ist.
 

Welchen Ratschlag würden Sie anderen Institutionen geben, die sich derzeit überlegen mit dem «Inclusion-Check» zu arbeiten?

Inklusion geht uns alle an! Dich und mich! Der Check beinhaltet aber wie oben beschrieben, noch sehr viel mehr. Der Inclusion-Check lohnt sich, wenn man wirklich bereit ist, ehrlich hinzusehen – auch bei schwierigen Themen. Wer offen ist für Veränderungen, wird davon profitieren. 
 


Interview: Saambavi Poopalapillai