Zwei Institutionen bilden eine Lerngemeinschaft - socialbern.ch

Zwei Institutionen bilden eine Lerngemeinschaft

Das Zentrum Mittengraben in Interlaken und die Stiftung Sunneschyn Meiringen organisieren gemeinsam den Basiskurs agogische Arbeit für ihre Mitarbeiter:innen in Zusammenarbeit mit ARTISET Bildung. Im Interview erzählen die beiden Fachpersonen Cindy Hofmann und Sarah Frey, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam und warum sie gerne an diesem Modell festhalten.

Das Zentrum Mittengraben (auch ZEMI genannt) und der Sunneschyn Meiringen bieten einen gemeinsamen Grundkurs für die Mitarbeiter:innen an. Woher kommt diese Idee?

Cindy Hofmann: Ich möchte gleich am Anfang etwas klarstellen: Wir sehen andere Anbieter:innen von Unterstützungsangeboten nicht als Konkurrenz, sondern als Partner. Im Kanton Bern pflegen wir einen offenen Austausch – auch über Herausforderungen. Aus einem dieser Gespräche zwischen den Leitungen entstand die Idee für den Grundkurs. Die Verbindung zum ZEMI schätzen wir besonders, weil sie zeigt, Kooperation entsteht dort, wo man sich gegenseitig als Bereicherung wahrnimmt.

Sarah Frey: Die Zusammenarbeit entwickelte sich aus bestehenden Netzwerken – persönlich wie beruflich. Schnell wurde klar, beide Institutionen verfolgen ähnliche Ziele, arbeiten in derselben Region und könnten durch eine Kooperation Synergien nutzen. Entscheidend war, dass wir auf Führungsebene ein gemeinsames Verständnis von Personalentwicklung und Bewohner:innen-Orientierung teilen. Gleichzeitig entsteht so ein Lernraum, in dem Mitarbeitende über Institutionsgrenzen hinweg Erfahrungen austauschen und ihr Netzwerk erweitern können.
 

Eine so spannende Idee muss man denn auch umsetzen. Wie wurde der erste Kurs realisiert?

Cindy Hofmann: Wir haben zunächst verschiedene Optionen geprüft und uns dann mit einer ausgewählten Bildungsorganisation vertieft auseinandergesetzt. Besonders wertvoll war, dass sie bereits Erfahrung mit solchen Kursen hatte und uns konkrete inhaltliche Vorschläge machen konnte. Noch wichtiger war aber der gemeinsame Abstimmungsprozess. Wir konnten Inhalte gezielt auf unsere Praxis zuschneiden, Schwerpunkte setzen und weniger relevante Themen reduzieren. So entstand ein Kurs, der fachlich fundiert und alltagstauglich ist.

Sarah Frey: Der direkte Austausch zwischen uns beiden war aus meiner Sicht auch der Schlüssel. Beide Institutionen waren offen für eine intensivere Zusammenarbeit. Das ermöglichte es, eine Weiterbildung für unsere Mitarbeitenden gemeinsam zu entwickeln. Ich finde es auch gut, dass der Kurs vor Ort stattfindet und die Dozierenden zu uns kommen. Die Aufteilung auf zwei Institutionen verteilt zudem organisatorische und finanzielle Aufwände fair.
 

Nach der Planung kommt die Umsetzung. Wie verlief die erste Durchführung?

Sarah Frey: Die erste Runde verlief sehr positiv. Vorab haben wir die Inhalte eng auf unsere betrieblichen Gegebenheiten abgestimmt, denn wir arbeiten nicht mit denselben Konzepten. Wichtig war uns, dass beide Perspektiven im Kurs sichtbar werden. Auch die Rahmenbedingungen – etwa Finanzierung oder Zeitguthaben – mussten für alle Teilnehmenden identisch sein.

Cindy Hofmann: Wie Sarah sagt, ist die sorgfältige Vorbereitung entscheidend, insbesondere die Klärung der inhaltlichen Ausrichtung und der Rahmenbedingungen. Die Evaluation nach dem ersten Kurs zeigte: Die Teilnehmenden schätzten den Austausch und die Praxisorientierung. Für die zweite Runde haben wir daher nur punktuell nachjustiert.
 

Können Sie mehr über die Rückmeldungen von den Teilnehmenden erzählen?

Cindy Hofmann: In Gesprächen mit Teilnehmenden wurde mir deutlich, wie sehr sie den Kurs als Bereicherung empfinden. Das grosse Interesse am Lernen war spürbar. Das bestätigen auch die Dozierenden. Die Teilnehmenden schätzen die Verbindung von Theorie und Praxis. Fallbeispiele machen abstrakte Inhalte greifbar. Und auch das fundierte Wissen der Dozierenden wird als sehr unterstützend erlebt.

Sarah Frey: Die Resonanz ist durchweg positiv. Besonders hervorgehoben wird der institutionsübergreifende Charakter. Ich habe auch gehört, dass der Austausch mit Kolleg:innen aus anderen Organisationen den Blick auf die eigene Arbeit erweitert.
 

Gibt es ein Schlüsselerlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Cindy Hofmann: Zum Auftakt des ersten Kurses haben Sarah und ich den Start begleitet. Mir ist vor allem die Sitzordnung am Anfang aufgefallen. Man sah noch deutlich, wer zu welcher Institution gehörte. Beim Abschlussapéro war das anders – aus zwei Gruppen war eine geworden. Die Teilnehmenden tauschten sich offen aus, feierten gemeinsam ihre Erfolge. Dieser Zusammenhalt hat mich besonders beeindruckt.
 

Welchen Ratschlag geben Sie anderen Institutionen, die ähnliche Kooperationen planen?

Cindy Hofmann: Seien Sie offen für Unterschiede! Gerade verschiedene Perspektiven bereichern eine Kooperation. In unserem Kurs haben wir die konzeptionellen Unterschiede bewusst reflektiert – das wurde zu einer Stärke. Mein Fazit: Unterschiede sind kein Hindernis, sondern eine Chance. Wenn man sie konstruktiv nutzt, entsteht ein echter Mehrwert für alle Beteiligten.

Sarah Frey: Wagen Sie den Schritt in die Umsetzung! Kooperationen im Ausbildungsbereich lohnen sich nicht nur fachlich, sondern auch organisatorisch. Bestehende Netzwerke sind dabei ein guter Ausgangspunkt, denn sie schaffen Vertrauen und erleichtern den Einstieg.
 


Interview: Saambavi Marucci-Poopalapillai